Fuchsräude

 

Als Räude wird eine Hauterkrankung bezeichnet, die durch Milben verursacht wird. Milben sind kleine Spinnentiere die in vielen verschiedenen Arten überall vorkommen (z.B. Hausstaubmilben, Moosmilben, Vogelmilben). Einige Milbenarten leben als Parasiten auf der Haut von Säugetieren. Beim Fuchs sind es Milben der Gattung Sarcoptes (Sarcoptes scabiei var. Vulpes), die die Räude verursachen. Diese Milben werden maximal 0,4 mm gross, haben einen ovalen, flachen Körper, keinen Kopf, kräftige Mundwerkzeuge, acht stummelförmige Beine und lange Borsten. Sie graben sich in die oberste Hautschicht ein und ernähren sich von Schuppen und von Körperflüssigkeiten.

Die Weibchen legen in den Bohrgängen drei bis vier Eier pro Tag. Nach drei bis fünf Tagen schlüpfen schon die Larven, die etwa 0,2 mm gross sind und nur sechs Beine haben. Ungefähr drei Tage später haben sich aus den Larven die ersten Nymphen mit acht Beinen entwickelt. Weitere drei Tage benötigen die Milben, um das zweite Nymphenstadium zu erreichen. Daraus entwickeln sich dann wieder in drei bis vier Tagen die erwachsenen Weibchen und Männchen, die bis zu sechs Wochen lang leben können.



Räudebefall. Typisch sind die dicken Verkrustungen der Haut.
Fuchs mit starkem 

Alle Milbenstadien sind sehr beweglich und wandern auf der Oberfläche und in den Bohrgängen umher. Auf totem Material können sich die Milben nicht vermehren und nur wenige Wochen überleben. Daher werden sie meistens durch engen Tierkontakt übertragen. Nach Aufnahme von Milben dauert es etwa zwei bis vier Wochen, bis zuerst starker Juckreiz auftritt. Danach ist flächenhafter Haarausfall festzustellen, und auf der Haut bilden sich rote Knötchen und schmierige, gelbe Auflagerungen. Es entstehen dicke Krusten, die sich schwarz verfärben und tiefe Risse aufweisen. Diese typischen Borken (Räudeplatten genannt) können bis zu 2 cm dick werden.

Die Milben vermehren sich zu Millionen, und die Füchse scheuern sich die Haut auf und nagen den Schwanz bis auf die Knochen ab. Diese Wunden infizieren sich mit Bakterien und das befallene Tier nimmt kaum mehr Nahrung auf. Dadurch magert der Fuchs schnell ab und stirbt nach wenigen Monaten.


Die Entwicklung der Fuchsstrecke in Teilen Schwedens zeigt den Einfluss der Räude auf die Bestände. In den Jahren nach Auftreten der ersten Räudefälle (schraffiert) reduziert sich die Strecke um etwa 50 %.
Quelle: Lindström et al. 1994

Während den Jahren, in denen die Tollwut in der Schweiz präsent war, war die Fuchsräude nördlich der Alpen verschwunden. Seit 1997 wurden wieder vermehrt räudige Füchse beobachtet, vor allem im Kandertal (BE) und im Kanton Genf. Einzelne Seuchenherde haben sich bereits stark ausgedehnt. Dies könnte in wenigen Jahren zu bedeutenden Einbrüchen in der Fuchspopulation führen.

In Schweden und England wurde beobachtet, wie sich die Fuchsräude innerhalb weniger Jahre über grosse Gebiete ausbreitete. Mit einer Sterblichkeitsrate bis zu 90 % hat die Räude die Fuchsbestände massiv dezimiert und gebietsweise fast ausgelöscht. Eine wissenschaftlich beobachtete Fuchsgruppe in Bristol (GB) wurde innert zwei Jahren von 50 auf 2 Tiere reduziert.

Eine Übertragung der Räude auf andere Tierarten ist möglich. In Schweden führte dies vor allem beim Marder und Luchs zu hohen Sterblichkeitsraten.

 
   
     
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Copyright © KORA
Text: Hansueli Ochs, Claude Fischer, Uli Müller