Wölfe in der Schweiz

 

Im 16. Jahrhundert war der Wolf noch in der ganzen Schweiz verbreitet. 90 % der Bevölkerung waren damals Bauern. Sie waren meist arm und besassen wenig Vieh. Der Verlust eines einzelnen Tiers konnte für eine Familie bereits katastrophale Auswirkungen haben. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass der Wolf rücksichtslos verfolgt wurde. Dies, aber auch die Entwaldung und Zersiedelung der Landschaft führten dazu, dass die Art aus der ganzen Schweiz verschwand. Die letzten Vorkommen erloschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wallis, dem Tessin und im Jura.

Als nächstgelegene Population blieb diejenige der Abruzzen in Italien. Der Tiefstand war hier 1970 erreicht, seither nimmt der Bestand wieder zu und breitet sich aus. Zu Beginn der 1990er Jahre erreichte die Ausbreitungsfront den südwestlichen Ausläufer des Alpenbogens. 1992 wurden erstmals auch in den französischen Alpen, im Nationalpark Mercantour, Wölfe beobachtet.

 

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Aktuelle Verbreitung des Wolfes in den Alpen

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Momentan leben etwa zehn Wolfsrudel auf italienischem und französischem Gebiet der Südwestalpen. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich im italienischen Nationalpark Gran Paradiso bzw. in der Nähe von Grenoble. Der Bestand wird auf 50 Tiere geschätzt.

1995 wanderten die ersten Wölfe in den Unterwalliser Alpen ein. Mindestens ein Tier verweilte in diesem Jahr einige Monate im Val Ferret und Val d'Entremont.

1998 tauchte der Wolf dann auch im Oberwallis auf. Ende November wurde in Reckingen ein geschossener Jungrüde gefunden. Zwei Monate später starb auf der Simplonpassstrasse ein weiterer Jungrüde unter einem Schneepflug. Die genetischen Analysen der beiden Tiere ergab, dass es sich um Wölfe italienischer Abstammung handelte.

 

Anfang Juni 1999 wurde oberhalb von Veysonnaz im Unterwallis erneut ein Wolf beobachtet, gemäss genetischer Analyse einer Kotprobe wiederum einer aus Italien. In der Folge wurde er wiederholt gesichtet und gespürt, namentlich im Val d'Hérens und Val d'Hérémence, wo er erhebliche Schäden an Schafherden anrichtete. Aus diesem Grunde erteilte das BUWAL Anfang Mai 2000 eine Abschussbewilligung für das fragliche Tier.

Es ist zu erwarten, dass die Einwanderungen in die Schweiz in den kommenden Jahren zunehmen werden. 

Ein Überblick der Wolfsnachweise in der Schweiz finden Sie im KORA Info 1/05 oder in den jährlichen Monitoring Berichte von KORA (Berichte).

     
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Text: Kuno von Wattenwyl, Hansjakob Baumgartner