Bär auf Beutezug durchs Bündnerland – vier Schafe gerissen


Der aus dem Süden ins Unterengadin eingewanderte Braunbär hat sich ein erstes Mal Frischfleisch geholt. Er legt auf seinem Beutezug sehr rasch grosse Distanzen zurück.

Der Bär riss in der Nacht auf Dienstag vier Schafe aus einer Herde von insgesamt 60 Tieren. Attackiert hat der Bär die Schafherde im Val Plavna, einem Seitental bei Tarasp, wie Hannes Jenny, Wildbiologe beim Amt für Jagd und Fischerei in Chur, sagte. Ein Schaf habe der Bär ganz aufgefressen, zwei weitere teilweise, und ein Tier habe er mit einem Prankenhieb getötet.
 

Die Schafherde, die ohne Hirt und Herdenschutzhund auf der Alp weidete, wurde inzwischen ins Tal getrieben. Vor dem Angriff auf die Schafe war der Bär am Montagabend auf einer benachbarten Kuhalp gesehen worden.

Die toten Schafe seien kein schöner Anblick, sagte Jenny. Zum Problembär werde der Einwanderer wegen der Risse aber nicht. Die gerissenen Tiere werden dem Schafbesitzer vergütet, zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Kanton Graubünden.

Schneller Bär

Herkunft, Alter, Grösse und Gewicht des Braunbären sind immer noch unbekannt. Die bisherigen Beobachtungen reichten für eine nähere Bestimmung nicht aus, sagte Jenny. Und die DNA-Analyse von den gefundenen Haaren liegt noch nicht vor. 

Auffällig sei die Geschwindigkeit, mit welcher der Bär unterwegs sei. Er lege grosse Distanzen in kurzer Zeit zurück. Das Tier war am Donnerstag letzter Woche erstmals im Münstertal von einem Kantonspolizisten aus 170 Metern Entfernung gesehen worden. 

Eingewandert ist der Bär vermutlich aus dem Südtirol (I). Auch dort wurden Schafe gerissen. Ob es sich um den gleichen Täter handelt, ist allerdings weiter ungewiss.
 

(mt/sda)

 

 

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23.06.2010 09:15:00