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Wolfspräsenz und Rinderhaltung: nicht nur eine Frage von Nutztierrissen

Um die Auswirkungen der Wolfspräsenz auf die Rinderhaltung zu verstehen und eine konfliktarme Koexistenz zwischen Rinderhaltenden und Wölfen zu fördern, ist es essentiell, die Bedürfnisse und Erwartungen der Betroffenen zu kennen und in Lösungsprozessen zu berücksichtigen.

Eine Masterarbeit an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL, Zollikofen ging der Frage nach, wie Vertreterinnen und Vertreter der Rinderbranche die potenziellen ökonomischen, sozialen und psychischen Auswirkungen der Wolfspräsenz auf die Schweizer Rinderhaltung bewerten und wie sie die Einstellungen und Erwartungen der Rinderhaltenden bezüglich des Wolfsmanagements einschätzen. Dazu führte Evelyn Böttinger leitfadengestützte Interviews mit neun Expertinnen und Experten aus der Schweizer Rinderbranche durch.

Ökonomische Auswirkungen

Vor allem die ökonomischen Auswirkungen wie unvorhersehbare und daher nicht planbare Zusatzkosten und Arbeitsaufwände bei Wolfspräsenz und bei Übergriffen auf Rindern, wird von den Interviewten als problematisch beurteilt. Beispielsweise kann wolfsbedingter Stress zu Fruchtbarkeitsproblemen oder verringerter Milchproduktion der Rinder und somit zu Leistungseinbussen führen. Die unzureichende Entschädigung dieser Aufwände und Verluste, insbesondere bei wertvollen Zuchttieren, wird hierbei bemängelt.

Psychische und soziale Auswirkungen

Die Unsicherheit über potenzielle Angriffe und über den Zustand der Tiere kann erheblichen Stress und Sorgen bei Tierhaltenden verursachen. Solchen psychischen Auswirkungen wird oftmals zu wenig Beachtung geschenkt. Obwohl dem Aspekt des sozialen Drucks innerhalb der Branche von der Mehrheit der Befragten keine grosse Bedeutung zugesprochen wurde, ist dies eine nicht vernachlässigbare Auswirkung, die eine Lösungsfindung erschweren oder sogar zu einer Verschärfung von Konflikten beitragen kann.

Einstellungen und Erwartungen

Die Interviews brachten ein fehlendes Vertrauen in die für das Wolfsmanagement und -monitoring verantwortlichen Institutionen und eine geringe Toleranz gegenüber Wolfsübergriffen auf Rindern zu Tage. Obligatorische Herdenschutzmassnahmen bei Rindern werden mehrheitlich abgelehnt und stattdessen die Erprobung freiwilliger, individueller Massnahmen befürwortet. Die Ergebnisse heben schliesslich auch hervor, dass die Sorgen der Landwirte und Landwirtinnen ernstgenommen und sie in Lösungsprozesse integriert werden müssen, um den Konflikt zu mindern.

Die Masterarbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt Wolves & Cattle durchgeführt.

Zur Arbeit (PDF)