Luchse im Schweizer Mittelland
Luchse breiten sich zunehmend ins Schweizer Mittelland aus. Ein neuer KORA-Bericht zeigt, dass das dicht besiedelte und stark vom Menschen geprägte Gebiet geeigneten Lebensraum für Luchse bietet. Gleichzeitig bleibt die ungenügende Vernetzung der Schweizer Luchspopulationen ein Hauptrisikofaktor für die Art.
In der Schweiz gibt es drei Luchspopulationen: die Jura-, die Nordost- und die Alpenpopulation. In den Jahren 2024/2025 wurde die Anzahl Luchse insgesamt auf 364 geschätzt.
Das Mittelland ist dicht besiedelt, von zahlreichen Strassen durchzogen und von stark fragmentierten, kleinen Waldabschnitten geprägt. Der neue Bericht zeigt auf, wie der Luchs mit diesen Bedingungen zurechtkommt, wie er seinen Lebensraum nutzt, wie er sich fortpflanzt und wie gut die Populationen miteinander vernetzt sind. Letzteres ist insbesondere im Hinblick auf die genetische Verarmung der Schweizer Luchse von Bedeutung. Dafür haben wir Daten aus sechs Jahren (2020-2025) untersucht: Telemetriedaten von besenderten Luchsen, Bildmaterial aus Fotofallen, Funde von Rissen und toten Luchsen, sowie Erkenntnisse aus genetischen Analysen.
Resultate
Mittelland als Lebensraum für Luchse bestätigt
- In den südlichen Teilen des Mittellands findet eine fortschreitende Besiedlung durch den Luchs statt.
- Das Mittelland bietet trotz stark von Menschen geprägten Strukturen ausreichend Nahrung, Deckung und Rückzugsmöglichkeiten für Luchse.
- In den letzten Jahren konnten bei mehreren Luchsinnen erfolgreiche Reproduktionen festgestellt werden.
Wald als Haupt-Lebensraum
- Luchse bevorzugen auch im Mittelland den Wald als Lebensraumtyp und nutzen oft steile, bewaldete Hänge entlang von Flüssen als Korridore.
- Luchse im Mittelland meiden Siedlungen und Strassen soweit möglich. Im Schutz von deckungsreicher Vegetation, z.B. entlang bewaldeter Gräben, können sie aber auch in der Nähe grösserer Städte anzutreffen sein.
Verkehrsachsen als Gefahr
- Verkehrsachsen sind vor allem für abwandernde Jungluchse eine tödliche Gefahr.
- Die Verluste durch Strassen- und Schienenverkehr sind hoch. Die dokumentierten Verkehrsopfer zeigen, wo in der Schweiz tödliche Hindernisse bestehen und dadurch die Einwanderung ins Mittelland erschwert wird.

Die Telemetrie-Senderdaten des im Jahr 2025 2-jährigen BABU zeigen, dass der Luchs die Überquerung der A1 bei Lully (FR) genutzt hat.
Zerstückelung des Lebensraums und Bedeutung von Wildtierkorridoren
- Die Zerstückelung des Lebensraums hemmt die Durchmischung der Jura und Alpenpopulation.
- Eine bessere Vernetzung der Lebensräume ist für den Luchs in der Schweiz zentral. Dabei kommt insbesondere auch den Wildtierkorridoren von überregionaler Bedeutung eine wichtige Rolle zu. Die Nutzung von Wildtierkorridoren durch Luchse konnten wir dokumentieren.
Genetische Durchmischung steht erst am Anfang
- In den letzten Jahren konnten wir einzelne Verpaarungen von Alpen- und Juraluchsen im Mittelland nachweisen. Die Vermischung von Tieren aus beiden Populationen geschieht aber bisher nur selten. Um sich genetisch in die Population einzubringen, müssten die eingewanderten Luchse lange genug überleben, was bei Weitem nicht jedem Tier gelingt.
Der Prozess der genetischen Vermischung schreitet deshalb nur sehr langsam voran. Die genetische Verarmung der Schweizer Luchse ist ein ernstzunehmendes Problem. Mehr zum Thema lesen Sie hier.
Dieser Bericht wurde im Rahmen des «Luchsprojekts - Genetik, Gesundheit und Demografie» erstellt. Das Projekt wird von einer privaten Stiftung finanziert. Folgende Projektpartner sind am Luchsprojekt beteiligt: das Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit der Universität Bern (FIWI), die Universität Bern und die Universität Zürich sowie das Senckenberg Institut für Wildtiergenetik.
© Marco Catocchia 

