Update «Wolves and Cattle» Jahresbeginn 2026
Wir informieren über die Fortschritte im Projekt seit dem letzten Update im Mai 2025.
Besenderte Wölfe
Im Oktober 2025 gelang es, einen dritten Wolf zu besendern. Seither beobachten wir sein Bewegungsmuster. So konnte etwa festgestellt werden, dass er eine grosse Wanderung unternommen hat. Innerhalb von 11 Tagen legte er fast 240 km zurück. Vom Fuss des Waadtländer Juras zog er über den Kanton Freiburg bis ins Emmental und kehrte anschliessend wieder an seinen Ausgangspunkt zurück.
Das Feldteam begab sich zudem mehrfach auf seine Spuren und suchte sogenannte «Cluster» auf, also Orte, an denen sich der Wolf über einen längeren Zeitraum aufgehalten hat. Ziel dieser Untersuchungen war es, mehr über seine Ernährungsbedürfnisse und sein Nahrungsspektrum zu erfahren. Dieser Ansatz liefert ergänzende Informationen zu jenen aus der Analyse des Nahrungsspektrums mittels Metabarcoding – insbesondere zur Art, zum Alter und zum Gesundheitszustand der Beutetiere sowie zur Häufigkeit, mit der der Wolf seine Beute reisst und/oder frisst. Die Clustersuche ist Teil des Projekts integriertes Monitoring und Management.

Die Wanderung von M637 und die Territorien der beiden ehemals besenderten Wölfinnen (F259 und F186) © KORA
Besenderter Luchs
Seit dem Frühling 2025 war im Rahmen des Projekts auch ein adulter männlicher Luchs am Sender. Der Luchs wird unter der Nummer M108* geführt. Das Tier hielt sich bevorzugt am Rand des Lac de Joux auf, in einem steilen Gebiet mit nachweislich hoher Gamsdichte (in der Grafik rot markiert). Der Luchs konnte mehrfach beobachtet werden: einmal von einem Boot aus, als er eine gerissene Gams trug, und ein weiteres Mal in einem Gebüsch unterhalb eines Felsüberhangs. Bei der letzten Beobachtung wurde er in Begleitung eines Weibchens und zweier Jungtiere gesehen. Obwohl Luchse Einzelgänger sind, kommt es vor, dass Männchen Weibchen und deren Junge aufsuchen und sich dabei, wenn sich die Gelegenheit bietet, von einer Beute ernähren.
In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 2026 wurde dieses Individuum bei Ballaigues (VD) Opfer einer Kollision mit einem Fahrzeug. Der betroffene Strassenabschnitt ist bereits seit längerem für zahlreiche Wildunfälle bekannt. Der Kanton Waadt wird in Zukunft auf diesem Strassenabschnitt ein Sanierungskonzept umsetzen, um den Durchgang für grosse Wildtiere zu erleichtern.

M108*wurde in Begleitung eines Weibchens und zweier Jungtiere gesichtet (letztere im Bild). © Philippe Christe

Das Territorium von M108*. Das Foto oben wurde an Ort des Symbols der Spur aufgenommen. © KORA
* Der Luchs wird auch unter der ID B698 geführt.
Untersuchungen bei den Rinden
Im Jahr 2025 wurden an der Universität Lausanne zwei Masterarbeiten und ein «first step»-Masterprojekt zu den Verhaltens-Effekten von Wölfen auf Rindern erfolgreich abgeschlossen. Grundlage bildeten Rinderherden von überwiegend Milchrassen, die im Jahr 2024 in den Kantonen Waadt, Neuenburg und Jura mit GPS-Halsbändern und Beschleunigungssensoren zur Erfassung der Aktivität ausgerüstet wurden. Diese Datenerhebung ermöglichte einen Vergleich zwischen Gebieten mit regelmässiger und sporadischer Wolfspräsenz. Die Analysen fokussierten auf Habitatwahl, Verhaltensänderungen, Bewegungsmuster sowie physiologische Stressindikatoren der Rinder. Ergänzende Auswertungen im Hinblick auf wissenschaftliche Publikationen befinden sich derzeit in Bearbeitung.
Flyer «Turbo Fladry»
Unser Projektpartner AGRIDEA hat einen Flyer zu den Turbo Fladry erarbeitet, einer Notfallmassnahme zum Schutz von Nutztieren auf Weiden und in Nachtpferchen vor Wolfsangriffen. Der Flyer vermittelt praxisnahe Informationen zur Benutzung, Installation, Funktionsweise und Wirksamkeit dieser Massnahme.
Zum Download (nur auf Französisch erhältlich)
Im Ausblick: eine Umfrage
In Zusammenarbeit mit AGRIDEA, der Universität Göttingen, der DGAV des Kantons Waadt und Prométerre haben wir ein Online-Fragebogen entwickelt, der sich bei Nutztierhaltenden nach Aspekten in der Umsetzung von Herdenschutzmassnahmen erkundigt. Es ist geplant, diesen im ersten Halbjahr 2026 breit zu verteilen.
© KORA 

